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29.11.2009

Stichworte zum November

Aus dem Notizbuch von Jürgen Steinbrück

28.10.2009
Da sitzen sie alle leuchtenden Auges bei Wein und Bier zusammen, die linken Aktivisten, und freuen sich über den Wahlstreich vom 27. September, ein bisschen diebisch und schadenfroh. Wer hätte auch gedacht, dass ein solch fulminantes Ergebnis eingefahren werden kann? Ja, anfangs machte sich sogar ein wenig Kleinmütigkeit breit, angesichts der Materialschlacht und der Okkupation aller erreichbarer Masten durch den Kandidaten der SPD. Jedoch, die Strategie, aufs Ende zu setzen und persönlich da zu sein auf den Straßen und Plätzen, war erfolgreich. Das war es nicht allein. Wer HartzIV, Agenda2010, den Krieg in Afghanistan und Renteneintritt ab 67 befürwortete, der hat das politische Denken der Wählerinnen und Wähler, der Lichtenberger eben, nicht verstanden. Und genau diese klaren und verlässlichen, die dauerhaft von Gesine und den Ihren vertretenen Gegenpositionen haben´s gemacht. Die Leute wollen soziale Gerechtigkeit - und Frieden.

03.11.2009
Mit unverhohlenem Stolz berichtete die Geschäftsführung, Frau Kluge und Dr. Lederer, des Lichtenberger Kulturvereins über den nunmehr gelungenen Coup, die Sanierung der Wärmewirtschaft im Hause der Kultschule in den Griff zu bekommen. Es hat sich die Hartnäckigkeit, Geduld, Verständnis und auch die geknüpften Netze bewährt. Verein, Bezirksamt, Senatorin, die GASAG, ein Planungsbüro und nicht zuletzt eine „Azubi-Brigade“ einer Neuköllner Berufsbildungseinrichtung haben´s gemacht. Allein die Möglichkeit, die Heizkörper herunter fahren zu können, bringt eine fast nicht erwartete Einsparung an Energiekosten von ca. 40%. Das ist Geld, das in die Vereinsarbeit, in die Kulturangebote investiert werden kann. Und das bei immer knapper werdenen Kassen, da ist das schon eine Größenordnung. Nächstens soll dann die Steuerung der gesamten Heizung auf Elektronik umgestellt werden. Das bringt weitere Effekte. Es lohnt also, Ideen zu haben und sie hartnäckig zu verfolgen. Gut gemacht, Kulturverein! Weiter so!

04.11.2009
Schade eigentlich, es waren nur wenige Interessierte zur Konferenz „Männergesundheit im Alter“ gekommen. Da es sich um ein nicht alltägliches Thema handelte, ist Verständnis dafür aufzubringen. Wann beschäftigt sich schon ein älterer Mann mit den Problemen seiner und der Gesundheit seinesgleichen? Doch eher kaum oder dann, wenn´s zwickt. Aber eben dieses machoistische Heldengehabe ist auf dieser Veranstaltung zur Sprache gekommen und darauf verwiesen worden, dem althergebrachten Rollenverständnis ernsthaft entgegen zu wirken. Die Spezies Mann ist gefährdet! - Na, so dramatisch nun wieder ist die Lage zwar nicht. Aber auf die leichte Schulter zu nehmen eben auch nicht. Ich habe den Anwesenden durch mein Bekenntnis: „Ich schwöre auf die Macht der Abhärtung!“ mit den erläuternden Worten eine Gänsehaut verpasst, mich allmorgendlich zwei Mal nur und ausschließlich kalt zu duschen.

15.11.2009
98 waren es, die sich heute mit der Bürgermeisterin aufgemacht hatten, um Altes und Neues vom und über das Sportforum Hohenschönhausen zu erfahren. Der Objektleiter, Herr Krüger, nahm sich der Interessierten als Reiseleiter an. In der Sporthalle, die denkmalgeschützt ist, erinnerte ich mich, dass ich zu den Polizisten gehörten, die 3 oder 4 Mal zu Akustikproben in die damals neuerrichtete Halle gerufen wurden. Anschwellende Begeisterung, rhythmischer Beifall, wellenähnliche Bewegungen und Krach aller Art wurden uns abverlangt. Ich kann bestätigen, dass damals die Halle mit keinem Stück nachgab. Solider Bau eben. Und so steht sie heute noch da und leistet, wenn auch mit antiquiertem Gestühl, gute Dienste. Dagegen supermodern die Schwimmhalle mit ihren Trainingsgeräten, mein lieber Mann! Früher bin ich da mal schwimmen gegangen. Man kennt sich kaum noch aus!

18.11.2009
„Tag der Toleranz und Demokratie“ nannte sich die Veranstaltung im Rathaus. Der Einladung folgend sollte über Klischees und Vorurteile bei und mit älteren Menschen geredet werden. Klar, da gibt’s schon einiges zu sagen. Wer hat nicht schon dieses und jenes Mal die Nase gerümpft und Unverständnis geäußert angesichts von unordentlichen Graffiti an irgendwelchen Stellen. Oder wer hat in vertrautem Kreise nicht schon einmal über das andere Verhalten von Ausländern oder ausländisch daher Kommenden debattiert, ob sie nicht doch lieber zu Hause geblieben wären, um dort nützlich zu sein. Die zwei Redekreise hatten gerade so Platz in den Räumen. Interesse am Thema ist vorhanden. Das haben die Veranstalter mit Überraschung und Beruhigung zur Kenntnis genommen. Dabei, mit welcher Begeisterung über Graffiti als Kunst von einer Dame geredet wurde, hat mich doch überrascht. Mein Vorurteil vielleicht?

21.11.2009
Unser Kommunalpolitisches Forum hat zu einem Workshop über die Einzelhandelsstruktur Berlins eingeladen und, na ja, einige wenige kamen. Die nicht gekommen sind, haben eigentlich etwas verpasst. Selbstverständlich standen die bezirklichen Einzelhandelskonzepte mit ihren Rahmensetzungen für die Ansiedlung und Entwicklung von Handelsstandorten im Mittelpunkt. Das unsere kennen wir ja. Man nimmt immer wieder auch Allgemeinbildendes aus solchen Veranstaltungen mit nach Hause. Ich zum Beispiel wusste gar nicht, dass sich die Wissenschaft darum streitet, was die Gründung von Städten verursachte. Die martiale Geschichtsrichtung sagt, Wehrhaftigkeit sei der Grund für Mauern und Schießscharten gewesen. Nunmehr aber ist wohl nachgewiesen, dass im Nahen Osten die älteste Stadt ausgegraben wurde, die einen großen Handelsplatz hatte und keine Mauern. Eigentlich einsichtig, dass der Handel die Urursache war, was sonst hätte Reichtum und Wohlfahrt gebracht und was, bitte schön, hätte man denn verteidigen sollen?

23.11.2009
Hab ich nüscht mehr auf der Kirsche, fällt mir also nichts mehr ein, das zum Wohlergehen der Lichtenberger beizutragen hätte, ist immer noch die Mottenkiste da. Da guckt beim Aufmachen zuerst die Grundtorheit unserer Zeit ´raus. So haben also die Christen zugepackt und sich für die stringente Regulierung von Emblemen und Betriebszeichen durch das Bezirksamt ausgesprochen. Zentrale Planung und Zensur lassen grüßen. Und warum? Weil sie das neue Zeichen des Theaters Karlshorst so schrecklich finden und militant. Das aber sagen sie aus Feigheit nicht, sie verdächtigen lieber alle Unternehmer, ihre Friedfertigkeit nicht ernst zu meinen. Die anderen, die sich frei nennenden Demokraten greifen auch rein in die Kiste und ziehen am 27.11.09 die Ereignisse des 9.11.1989 heraus und wollen den Tapferen von damals gedenken. Mustopp, kann man da nur staunen, dass so etwas ernsthaft als Antrag zur Beschlussfassung der BVV vorzulegen getraut wird. Naja, der Apfel, sein Runterfallen und Liegenbleiben am Stamm  - stimmt!

27.11.2009
Da stand die Vorturnerin der Braunen am Rednerpult und konnte das Giften und Keifen nicht unterdrücken. Man muss so etwas als persönliche Erklärung in der BVV über sich  ergehen lassen. Anlass nahm sie, da ein 23-jähriger Mann irgendwo in Friedrichshain beim Ankokeln von Autos endlich erwischt wurde, der angab, Sohn eines Vaters in Lichtenberg zu sein. Na und? Der soll in der BVV sitzen, was genug Anlass war, ausgerechnet aus dem braunen Sumpf angenöhlt zu werden. Kurz vorher, am 17. November, hatten Studenten der Humboldt-Uni 5 Stolpersteine in der Weitling- und Leopoldstr. verlegt und dabei auf die unsäglichen 50 Gesetze der Faschisten gegen die jüdische Bevölkerung aufmerksam gemacht. Es treibt einem jetzt noch die Schamröte ins Gesicht, wenn man hört, dass Parkbänke nur für Germanen bestimmt waren. Die heutigen Braunen hatten 2008 manierengleich Parkbänke in Lichtenberg nur für Demokraten gefordert. Und dann redet die verspätete BDM-Maid mit geschwellter Brust volkshetzerisch auf die Bezirksverordneten ein. Im Abgang den Arm hochzureißen hat sie sich nicht getraut. Noch nicht?