DS 1145/VI
Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:
Das Bezirksamt wird ersucht Alphabetisierung als "kommunales Ziel" in der Aufstellung von "Zielvereinbarung und Handlungsprogramm des JobCenters Berlin-Lichtenberg 2009" zu berücksichtigen.
Nach offiziellen Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung sind 130.000 Berlinerinnen und Berliner Analphabeten. Der Bundesverband
Alphabetisierung geht sogar von bis zu 164.000 Menschen aus, die nicht lesen und schreiben können.
Obwohl also 4-5 % der Berliner kaum in der Lage sind alltäglichste Aufgaben wie Behördengänge, Abschlüsse von Verträgen, das Verfassen von Bewerbungsschreiben etc. zu bewältigen, existieren Plätze in entsprechenden Alphabetisierungskursen gemessen am potentiellen Bedarf nur in weit unterproportionaler Zahl und auch dieses eingeschränkte Angebot ist in der Zielgruppe nur unzureichend bekannt.
Zwei häufig von freien Trägern der Erwachsenenbildung/Weiterbildung genannte Gründe hierfür sind das mangelnde Problembewusstsein in den Berliner JobCentern und die seit Einführung der Hartz-IV-Reformen radikal verschlechterten Förderbedingungen. Alphabetisierung und Grundbildung werden häufig nicht mehr in einem unmittelbaren Zusammenhang zur Arbeitsaufnahme gesehen. Insgesamt wirft dies ein reichlich schales Licht auf die Arbeitsmarktpolitik der Bundesagentur für Arbeit in der viel beschworenen deutschen „Wissensgesellschaft“.
Um dem Abhilfe zu leisten, soll Alphabetisierung als so genanntes „kommunales Ziel“ in der Zielvereinbarung des JobCenters Berlin-Lichtenberg festgeschrieben werden. Erreicht werden soll damit u. a. die Sensibilisierung der Fallmanager des Lichtenberger JobCenters und eine verstärkte Vernetzung zwischen JobCenter, der Lichtenberger VHS sowie der auf diesem Gebiet tätigen freien Träger.