06.01.2011
Artikel der "Berliner Woche" 1/2011 v. 5.1.2011

FENNPFUHL. Am 23. Dezember, den 122. Geburtstag Friedrich Wolfs, übergaben Vertreter des Bürgervereins Fennpfuhl in Anwesenheit von Vertretern des Bezirksamtes und der Friedrich Wolf Gesellschaft im Polikum Fennpfuhl eine Tafel, die an den Arzt und Schriftsteller erinnert.
Der Schriftsteller Friedrich Wolf schrieb unter anderem so aufrüttelnde Werke wie „Professor Mamlock“, das sich mit der Ausgrenzung jüdischer Menschen in der Zeit des Faschismus befasst, oder „Cyankali“, das sich gegen den Paragrafen 218 wendet. Und auch das beliebte Märchen „Die Weihnachtsgans Auguste“ stammt aus der Feder Wolfs.
Vorgänger des Polikums Fennpfuhl war die 1977 eröffnete Poliklinik „Friedrich Wolf“. An den Namenspatron erinnerte damals im Foyer eine Bronzebüste des Bildhauers Friedrich Engelhardt. Nach der Privatisierung des Hauses in den 1990-er Jahren war die Büste mehrfach Ziel von Vandalismus und wurde deshalb vom Umweltamt Lichtenberg sichergestellt. Nachdem 2008 wie berichtet das Polikum eingezogen war, wurde die Büste wieder aufgestellt. Die Gedenktafel gibt zusätzlich Auskunft über Leben und Schaffen Friedrich Wolfs, der, wie es der Vorsitzende des Bürgervereins, Rainer Bosse, in einer kurzen Ansprache formulierte, als Schriftsteller und Arzt, „in beiden Professionen ein sehr politischer Mensch war“.
Die Idee zu dieser Tafel stammt von Anwohnern des Fennpfuhls, die ein entsprechendes Projekt im Rahmen des Bürgerhaushalts beziehungsweise Kiezfonds Fennpfuhl vorschlugen und von der Recherche und Textgestaltung bis hin zur Anfertigung der Tafel auch selbst realisierten. Bosse dankte in diesem Zusammenhang insbesondere Jana und Siegfried Männel, Fritz Böhme, Hans Jungblut, Dietrich Rahn und Anita Kempt sowie dem Polikum, das das Vorhaben unterstützte.
Friedrich Wolfs medizinisches Hauptwerk „Die Natur als Arzt und Helfer“ aus dem Jahre 1928 sei keineswegs veraltet und vielleicht auch deshalb wieder im Bestand der Anton- Saefkow-Bibliothek, sagte Bosse. Seit 23. Dezember liegt zudem eine Ausgabe in der benachbarten Rosenapotheke aus. „Wolf bekannte sich zur Verantwortung des Künstlers gegenüber der Gesellschaft. Sein Credo Kunst ist Waffe mag für manchen vielleicht militant klingen, zielte in Zeiten der großen Weltwirtschaftskrise und des erstarkenden Nationalsozialismus in der Weimarer Republik darauf, Not und Elend anzuprangern, das Wesen des Faschismus bloßzulegen, zum Protest dagegen herauszufordern und vor allem Kriege aus dem Leben der Menschheit zu verbannen“, sagte Bosse. Nichts davon habe heute an Aktualität verloren und deshalb sei es gut und richtig, an Friedrich Wolf zu erinnern. m.k.