Zurück zur Startseite
11. Januar 2018 Linksfraktion in der BVV

Runder Tisch Ilsestraße: Chance auf Einigung wurde vertan

Gestern fand der letzte Runde Tisch zum Bebauungsplan 11-125 „Wohnsiedlung Ilsestraße“ statt. Wir bedauern, dass der Runde Tisch, der Mitte des letzten Jahres eingesetzt wurde und seitdem fünfmal getagt hat, zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt hat. Der Runde Tisch hatte den Auftrag im Rahmen des B-Planverfahrens eine Verständigung zwischen dem Vorhabenträger - der Howoge - und der Bürgerinitiative „Rettet den Ilsekiez“ als Interessenvertreterin der AnwohnerInnen zu erzielen. Zu den weiteren Vertretern des Runden Tisches zählten u.a. VertreterInnen der Kommunalpolitik und des Bürgervereins Karlshorst. Die Bürgerinitiative verfolgte das Ziel, die Innenhöfe vor Bebauung zu schützen. Die Gründe liegen auf der Hand: Karlshorst West ist unzureichend mit Grünflächen versorgt und Ausweichflächen im Umkreis von 500 Metern sind nicht vorhanden. Das Naturschutzamt wies auf diese Umstände hin.
In der Begründung zum Aufstellungsbeschluss zum B-Plan hieß es zudem:  „Die durchgrünten Innenhöfe der Wohnanlage an der Ilsestraße sind ein wesentlicher Bestandteil, der zur Wohnqualität dieser Anlage entscheidend beiträgt. Eine Überbauung dieser Flächen würde nicht nur einen Verlust an Vegetation mit sich bringen, sondern auch zur Verschlechterung der Wohnqualität beitragen […]. Mit der Aufstellung des Bebauungsplans sollen die vorhandenen Qualitäten der Wohnanlage geschützt und bewahrt werden.“ 

Die Bürgerinitiative beteiligte sich zu jeder Zeit konstruktiv an der Erarbeitung von Alternativvorschlägen zur Innenhofbebauung, denn auch sie sieht angesichts der Wohnungsknappheit die Notwendigkeit neuen Wohnraum zu schaffen. Dabei zog sie externen Sachverstand hinzu, wie z.B. einen Zusammenschluss von Architekten unter Leitung von Siegfried Lewerenz, die sich dem Bau sozialverträglichen Wohnraums verschrieben haben. Die Bürgerinitiative schlug sowohl eine Randbebauung als auch eine Bebauung einer bereits versiegelten Fläche im Innenhof vor. Darüber hinaus ließ sie prüfen, ob eine Etagenaufstockung und der Ausbau der Dachgeschosse sowohl baulich möglich und finanziell darstellbar seien. Diese Prüfung führte zu einem positiven Ergebnis und würde immerhin ca. 137 Wohnungen ermöglichen. Die BI legte dem Runden Tisch darüber hinaus den Architektenentwurf zur Errichtung des Karlshorsten Wiesenparks vor, der eine grüne Alternative zur Innenhofbebauung wäre. 

Dazu erklären die Fraktionsvorsitzenden Kerstin Zimmer und Norman Wolf: 

„Den Ausführungen von Howoge-Geschäftsführerin Frau Frentsch folgen wir, wenn sie erklärt, dass der Runde Tisch von großem Engagement aller Beteiligten getragen war. Die Zusage der Howoge, die Abstände zwischen Neu- und Altbauten an zwei Stellen um wenige Meter zu vergrößern kann jedoch nicht als ernsthafte Alternative zur Innenhofbebauung verstanden werden, sondern ist Kosmetik, die über das Scheitern eines tragfähigen Kompromisses hinwegtäuscht. Wenn die Howoge anführt, die TeilnehmerInnen stimmten mehrheitlich für die Empfehlung an das Stadtplanungsamt, ihren Vorschlägen zu folgen, so verschweigt sie, dass die Vergrößerung zweier Abstände lediglich eine winzige Änderung des Gesamtentwurfs ist, den eine Mehrheit der TeilnehmerInnen in einer vorangegangenen Abstimmung ablehnte. 

Sowohl unsere Fraktion als auch die Bürgerinitiative erkennen an, dass der Wohnungsbau vorangetrieben werden muss, doch stets unter Beachtung einer behutsamen Nachverdichtung, die sorgfältig geprüft werden muss. Die Entscheidung für den Bau neuer Häuser ist eine Entscheidung für mitunter 100 Jahre. Schnelle Entscheidungen sind deshalb zu vermeiden. Aufgrund der Vielzahl der fachlich fundierten Alternativen und Einwände der Bürgerinitiative erwarten wir, dass sich diese in einem B-Plan-Entwurf niederschlagen. Wir begleiten zusammen mit der Bürgerinitiative und den AnwohnerInnen die Erarbeitung eines B-Plans weiterhin konstruktiv und müssen feststellen, dass der jüngste Howoge-Vorschlag vor dem Hintergrund des regen und qualifizierten Austausches enttäuscht.“