50 Jahre Ende des Vietnamkriegs

Julia Behrens

24 Stunden lang wird vor 50 Jahren, am 29.04.1975, die US-amerikanische Botschaft in Saigon Schauplatz der größten Hubschrauberevakuierung der Geschichte. Am 30.04. nehmen nordvietnamesische Streitkräfte die Stadt ein und beenden damit den amerikanischen Krieg, wie er in Vietnam genannt wird. Unter kommunistischer Führung zieht nach einem grausamen, jahrzehntelangen Krieg Frieden in das Land ein.

In den USA wurde „Vietnam“ zum Synonym für Niederlage und Erniedrigung. Der Krieg prägte Vietnam, der Sieg ist bis heute Quelle staatlichen Stolzes. Anfang dieses Jahres erinnerten eine große Parade in Ho-Chi-Minh-Stadt und zahlreiche Feierlichkeiten im ganzen Land an diesen Wendepunkt.

Doch das Land ist mehr als diese Episode. Vietnam hat sich rasant zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort, geopolitischen Akteur und Zuhause von rund 100 Millionen Menschen entwickelt. Die meisten kennen den Krieg nur aus Schule oder Familiengeschichten. Mit einem Altersdurchschnitt von 33 Jahren gilt der Blick neben dem Erinnern vor allem der Zukunft.

Minh Salzmann-Hoang, Vietdeutscher 2. Generation und Sänger im Lichtenberger Kammerchor „Piekfeine Töne“, sagt: „Die Feierlichkeiten und Paraden in Vietnam waren für mich eher entfernte Ereignisse. Der Jahrestag erinnert mich vielmehr daran, welche Kriege jetzt stattfinden und wie viele Menschen heute und in Zukunft darunter leiden werden.“ Das Jubiläum eines Kriegsendes sollte zugleich Mahnung sein, keine neuen Kriege zu beginnen.