Grenzenloser Frieden

Tatjana Behrend

Jahr für Jahr fordert unsere Bundestagsfraktion mit einem entsprechenden Antrag im Plenum die Bundesregierung auf, sich dafür einzusetzen, den Weltfriedenstag am 1. September als europäischen Feiertag in ganz Europa zu begehen. Mit ebensolcher Regelmäßigkeit findet das Anliegen im Bundestag keine Mehrheit. Dabei wäre dieses Datum mehr als geeignet, gemeinsam innezuhalten und sich bewusst zu machen, dass es für uns alle nichts Wichtigeres als den Frieden gibt. Ohne Frieden ist alles nichts, hat der große Europäer Willy Brand im Jahr 1981 gesagt. Daran muss heute – 44 Jahre später – und offenbar auch die Regierungspartei SPD mit großer Eindringlichkeit erinnert werden.

Seit dreieinhalb Jahren führt Russland Krieg gegen die Ukraine. In den öffentlichen Debatten wird viel über Waffenlieferungen, aber unserer Meinung nach zu wenig über Möglichkeiten eines Waffenstillstands gesprochen. Existenzielle Entscheidungen werden in Hinterzimmern getroffen.

Das muss sich ändern. Gerade in einer überlebenswichtigen Frage wie der über Krieg und Frieden bedarf es einer Völkerverständigung, einer Diskussion auf direktem Wege, über Grenzen hinweg. Wir wollen, dass Europäerinnen und Europäer darüber ins Gespräch kommen.

Ein gemeinsamer europäischer Feiertag gibt Menschen die Gelegenheit, sich zu begegnen und auszutauschen. Und welcher Tag passte dafür besser als der 1. September, der Weltfriedenstag? Fest verbunden mit der Erinnerung an den Beginn des grausamsten Krieges in der Geschichte der Menschheit – den Zweiten Weltkrieg. Und bleibende Mahnung, ein solches Verbrechen nie wieder zuzulassen.

Es wäre ein großes Verdienst der Bundesregierung, wenn sie in Angriff nähme, möglichst alle europäischen Regierungen von einem gemeinsamen Feiertag zu überzeugen. Deshalb werden wir unseren Antrag auch im nächsten Jahr und so lange stellen, bis er im Bundestag eine Mehrheit bekommt. Damit kämen wir dem Weltfrieden womöglich ein Stück näher.