Kurzvorstellung Israelis for Peace

Shaked Spier

Wer wir sind – Israelis for Peace

Wir sind in Europa lebende israelische Staatsbürger*innen. Was uns bei Israelis für Frieden verbindet, ist das Verantwortungsbewusstsein und Engagement für die Förderung von Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit für alle in Israel-Palästina lebenden Menschen. Die aktuelle israelische Regierung mit ihrer Besatzungs- und genozidalen Kriegspolitik spricht nicht in unserem Namen. Wir sind davon überzeugt, dass es eine politische Lösung zu Gewalt und Unterdrückung geben muss, um eine Zukunft zu sichern, in der alle Menschen in der Region gleiche Rechte haben.

Wir stehen solidarisch an der Seite aller, die sich – in Israel, Palästina und darüber hinaus – für Gleichberechtigung, ein Ende von Besatzung, Krieg und Terror und für einen gerechten Frieden einsetzen.

Wie alles begann

Wir haben uns im Sommer 2023 gegründet. Uns war klar: In Europa fehlen hörbare israelische Stimmen aus der Friedensbewegung – gegen Besatzung und Apartheid. Das wollten wir ändern. Der 7. Oktober und die Folgen machten unsere Arbeit dringlicher denn je.

Was wir fordern

Die humanitäre Katastrophe in Gaza ist nicht isoliert vom 7. Oktober zu betrachten – ebenso wenig von der jahrzehntelangen strukturellen Gewalt gegen Palästinenser*innen. Seit über 75 Jahren leben viele von ihnen unter Besatzung, Entrechtung oder in Vertreibung und Exil – in einer Realität, die für Millionen Apartheid bedeutet.

Die systematische Belagerung und kollektive Bestrafung der palästinensischen Bevölkerung verstößt gegen internationales Recht und wird von internationalen Organisationen und Jurist*innen als möglicher Genozid eingestuft. Das Gesundheitsministerium in Gaza berichtet, dass Seit Oktober 2023 mindestens 58.573 Palästinenser*innen getötet – davon 17.921 Kinder (31%), 9.497 Frauen (16%), 26.655 Männer (46%) und 4.307 ältere Menschen (7%) – und 139.607 verletzt wurden. Zivile Infrastruktur wurde gezielt zerstört, die Versorgungslage wird durch die israelische Regierung katastrophal gehalten.

Wir fordern:

  • einen sofortigen Waffenstillstand und ein Ende des Krieges in Gaza,
  • die sofortige Freilassung aller Geiseln und ihre unverzügliche Versorgung mit Nahrung und medizinischer Hilfe,
  • die Anerkennung Palästinas und das Recht auf kollektive Selbstbestimmung der palästinensischen Bevölkerung.

Was wir wollen

Wir wollen gleiche Rechte für alle zwischen Mittelmeer und Jordan – unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, Herkunft oder Religion. Wir sprechen uns gegen die anhaltende und systematische Entrechtung von Palästinenser*innen aus.

Wir sprechen uns für eine politische Lösung aus, die auf Gleichberechtigung und internationales Recht basiert: Frieden, Gleichheit und Menschenrechte für alle in Israel-Palästina.

Unser Grundgedanke ist klar: Sicherheit entsteht nicht durch Mauern, Bomben oder Kontrolle. Sicherheit entsteht dort, wo Menschen in Freiheit, Würde und Gleichberechtigung leben können.

Was wir ablehnen

Wir lehnen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und nationalistischer Hetze ab – unabhängig davon, von wem sie ausgeht.

Wir kritisieren die Vereinnahmung jüdischer Identität zur Rechtfertigung von Gewalt und Kriegsverbrechen.

Wir wenden uns gegen den instrumentellen Einsatz von Antisemitismusvorwürfen, um legitime Kritik an der israelischen Politik zu unterdrücken.

Wir stellen uns auch gegen die Vorstellung, man müsse sich für eine Seite entscheiden – für Israel oder für Palästina. Diese Polarisierung ist falsch. Menschenrechte gelten nicht selektiv.

Was wir tun

Seit Ende 2023 organisieren wir regelmäßigen Mahnwachen vor dem Auswärtigen Amt in Berlin. Zudem beteiligen wir uns an Demonstrationen und Aktionen mit Bündnispartnern.

Wir suchen das Gespräch mit Universitäten, Kulturinstitutionen und politische Entscheidungsträger*innen – auch, um die Vielfalt jüdisch-israelischer Perspektiven sichtbar zu machen. Darüber hinaus bieten wir Workshops und Gesprächsformate an, in denen wir Erfahrungen und Analysen aus der israelischen Zivilgesellschaft teilen.

Wir sprechen mit Abgeordneten und Vertreter*innen aller demokratischen Parteien – in Deutschland und auf europäischer Ebene. Uns geht es um konkrete politische Schritte.

Wir sind aktiv auf Social Media – auf Hebräisch, Deutsch und Englisch – und in klassischen Medien. Wir sprechen in eigenen Worten, mit eigenen Erfahrungen. Und wir geben dabei auch Raum für andere Stimmen aus der jüdisch-israelischen Gesellschaft vor Ort und in der Diaspora.

Unsere Forderungen an die Politik

Wir erwarten von der Bundesregierung und der EU mehr als Stellungnahmen. Wir fordern:

  • einen sofortigen Waffenstillstand,
  • ein Ende jeglicher politischen, militärischen und wirtschaftlichen Unterstützung für die israelische Regierung, solange sie internationales Recht verletzt,
  • ein Waffenembargo und gezielte Sanktionen gegen staatliche Stellen, die für Kriegsverbrechen oder systematische Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind.

Warum wir sprechen

Weil wir nicht schweigen können.

Weil wir sehen, dass in Deutschland oft die Meinung vorherrscht, man dürfe israelische Politik nur dann kritisieren, wenn man es „bedingungslos unterstützt“. Diese Haltung ist nicht nur gefährlich, sondern auch zutiefst antijüdisch – denn sie reduziert jüdisches Leben auf Nationalismus und Militärmacht.

Wir wissen: Jüdische Geschichte ist auch eine Geschichte von Flucht, Verfolgung und Widerstand – gegen Vertreibung und gegen Unterdrückung. Diese Geschichte ist nicht zu Ende.

Wir tragen Verantwortung – nicht trotz, sondern wegen unserer Herkunft.

Wir sind Israelis for Peace.

Eine Stimme aus der israelischen Diaspora – gegen Krieg und Nationalismus, für gleiche Rechte und ein Leben in Würde für alle.


Über den Autor:

Shaked Spier von Israelis for Peace ist zu Gast beim Friedensfest der Linksfraktion im Bundestag und spricht dort mit Ines Schwerdner über die aktuelle Lage