Mehr Miteinander statt Nebeneinander: Großelternprogramm gegen Kinderarmut und Einsamkeit

Toni Kraus

In Lichtenberg gibt es viele Kinder, die in schlimmster Armut aufwachsen und viele ältere Menschen, die gern ihre Zeit und Erfahrung teilen möchten.

Deshalb setzen wir uns dafür ein, das erfolgreiche Modell der „Patengroßeltern“ auszubauen und in ein dauerhaftes Programm zu überführen. Denn: Noch nie gab es so viel freie Lebenszeit bei älteren Menschen und gleichzeitig so viele Kinder, die von einer verlässlichen Bezugsperson außerhalb ihrer Familie profitieren würden.

Gerade Kinder, die in Armut leben, erleben im Alltag oft Unsicherheit, Überforderung und Isolation. Ein Mentoringprogramm, das frühzeitig ansetzt und stabile Bindungen ermöglicht, kann hier einen echten Unterschied machen: durch Zuhören, Vorlesen, gemeinsame Zeit und konkrete Unterstützung. Besonders Alleinerziehende äußern immer wieder den Wunsch nach langfristiger Entlastung über die punktuelle Betreuung hinaus.

Dabei ist klar: Engagement braucht Struktur. Deshalb schlagen wir vor, die Konzeption des Programms beim Jugendamt im Rahmen der Kinderarmutspräventionsstrategie anzusiedeln. Gemeinsam mit Trägern, Fachkräften und zivilgesellschaftlichen Akteuren soll ein Angebot entstehen, das sowohl analog als auch digital zugänglich ist. Ein Vermittlungsportal kann helfen, passende Tandems zusammenzubringen, Qualitätsstandards zu sichern und Ehrenamtliche langfristig zu begleiten.

Solche freiwilligen, vertrauensvollen Beziehungen sind nicht nur ein Gewinn für Kinder. Auch viele Senioren wünschen sich sinnstiftende Aufgaben, soziale Nähe und neue Kontakte im Ruhestand – oft, weil die eigenen Kinder und Enkel weit entfernt leben oder gar nicht vorhanden sind.